Glück im Hans

Gestern saß ich an einem ganz normalen Mittwochnachmittag bei einem Cappuccino im Café Hans – einem meiner Lieblingsorte in Eckernförde.

Warum saß ich da? Einfach nur so. Weil es mit guttat, weil ich diese kleine Auszeit genossen habe.

Früher konnte ich das nicht so gut, ständig war ich getrieben vom Alltag, von all dem, was auf meiner Liste stand, von den Erwartungen anderer an mich und vor allem von den eigenen Erwartungen. Es ist mir schwergefallen, einfach zwischendurch eine kleine Pause zu machen. Der Antreiber „streng dich an“ war tief in mir verankert. Ich habe alles hinbekommen, aber ich fühlte mich auch gestresst und meine pure Freude am Leben wurde blasser.

Vor neun Jahren sind wir dann nach Eckernförde an die Ostsee gezogen – und ich begann, mich immer mehr wieder an mich zu erinnern. Daran, wie wesentlich es für mich ist, zwischendurch kleine Pausen zu machen. Nur ich mit mir und Ruhe – im Café Hans oder im Garten unseres Seminarhauses. Es ist manchmal nur eine Viertelstunde und doch liegt darin eine andere Welt. Ich halte inne, besinne mich auf mich, mein Blick schweift einfach in die Weite – im besten Sinne „Gedankenverloren“.

Als wir damals (wieder) in den Norden gezogen waren, lebte mein Vater noch, selbst immer ein sehr umtriebiger Mensch. Doch gerade er sagte mir mit seinen 91 Jahren bei einem meiner Besuche:

„Mach doch einfach mal nichts“.

Dass gerade er so einen Satz sagt, hat mich damals sehr berührt. Und inspiriert. Und mir Mut gemacht, im Sinne der Selbstfürsorge mehr auf mich zu achten. Und ein kleiner, aber wichtiger Baustein ist die Cappuccino-Auszeit zwischendurch.

Heute kann ich diese Momente der Ruhe genießen – ohne schlechtes Gewissen, stattdessen mit Genuss und Dankbarkeit.

Wie gehst Du mit Dir im Alltag um? Was sind Deine kleinen Auszeiten zwischendurch?


"Mama ist tot"

Unter diesem Titel fand diese Woche wieder eine Human Library in der Eckernförder Stadtbücherei statt. Ein ehrenamtliches Format, das ich vor gut 3 Jahren ins Leben gerufen habe.

Worum geht es bei der Human Library?

Es geht um die Idee einer Menschlichen Bibliothek – um lebende Bücher zum Ausleihen. Die "Bücher" in dieser Bibliothek sind Menschen mit ungewöhnlichen Lebensgeschichten. Sie stehen den Besuchern, den „Lesern" der Veranstaltung, in persönlichen Gesprächen für einen Austausch und Fragen zur Verfügung. Diese Menschen sind durch Umbrüche und Wendepunkte gegangen, haben neue Wege eingeschlagen und sind an diesen Situationen gewachsen. Es sind Menschen, die bereit sind, ihre Erfahrungen mit uns zu teilen und sie erzählen von den Fähigkeiten, die ihnen an Wendepunkten geholfen haben.

Es geht mir mit der Human Library in erster Linie um Begegnung zwischen Menschen. Um Horizonterweiterung durch das Hören von Lebensgeschichten. Um menschliches und respektvolles Miteinander. Es soll einen Beitrag dazu leisten, Menschen nicht in Schubladen zu stecken, Vorurteile zu überwinden und eigene Einstellungen zu überdenken.

An diesem Dienstagabend war das „lebende Buch" eine junge Frau, die schon viel erlebt hat: Mit Mitte Dreißig übernimmt die Journalistin Nina Borowski die Vorsorgevollmacht für ihre Mutter, die nach einer schweren Erkrankung nicht mehr für sich selbst sorgen kann. Während ihre Freundinnen Kinder bekommen und Familien gründen, dreht sich bei ihr plötzlich alles um die Themen Pflegeheim, das Elternhaus auflösen und am Ende die Organisation von zwei Beerdigungen.

Bis zu diesem Moment hat sie um die Themen Tod und Trauer einen großen Bogen gemacht. Doch auf einmal ist sie mittendrin. Durch schmerzvolle, eigene Verlusterfahrungen und einen persönlichen Tiefpunkt beginnt eine Reise, die die Journalistin am Ende zu sich selbst führt.

Im vergangenen Jahr hat sie ihr Herzensprojekt veröffentlicht: In einer sechsteiligen Podcast-Reihe über Tod und Trauer lässt sie nicht nur Gesprächspartnerinnen wie eine Pfarrerin, eine Bestatterin oder eine Trauerbegleiterin zu Wort kommen – die Journalistin wird selbst zur Erzählerin und spricht über ihre Erfahrungen und ihre Geschichte.

Heute sind Tod und Trauer für Nina Borowski Teil des Lebens. Die Lücken bleiben, aber dazu gekommen sind Dankbarkeit und ein tiefes im Moment sein.

Es war ein sehr intensiver und bewegender Abend rund um das Thema Tod, Trauer und den Umgang damit. Themen, um die die meisten Menschen einen großen Bogen machen. Wer will schon gern mit dem Tod zu tun haben? Ich habe das oft erlebt während meiner Zeit als ehrenamtliche Hospizhelferin. Und gleichzeitig habe ich in dieser Zeit erlebt, wie hilfreich und wesentlich es ist, genau über diese Themen zu reden, offen, ehrlich, menschlich zugewandt und ja, auch mit Humor!

So war es auch an diesem Abend der Humen Library. Nach und nach wurde die Atmosphäre immer offener und zugewandter und es entstand ein lebendiger, respektvoller Austausch aus Fragen und eigenen Erlebnissen – und es wurde auch immer wieder gelacht!

Wie geht es Dir mit diesem Thema du wie gehst Du damit um?